Worum geht’s?

In einer aktuellen Analyse wurde untersucht, ob pflanzenbasierte Ernährungsmuster das Risiko für Multimorbidität beeinflussen, also das gleichzeitige Auftreten von mindestens zwei chronischen Erkrankungen. Im Fokus standen dabei Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) und Typ-2-Diabetes, da diese Erkrankungen zu den weltweit häufigsten Todesursachen zählen und gemeinsame, durch den Lebensstil beeinflussbare Risikofaktoren teilen. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der Frage, ob die Qualität der pflanzlichen Kost eine protektive Rolle spielt und ob sich das Risiko je nach Lebensalter (unter 60 Jahren vs. ab 60 Jahren) unterscheidet.

Methodik

Für die Auswertung wurden  die Daten von insgesamt 407.618 Teilnehmenden aus zwei prospektiven Kohortenstudien genutzt, der EPIC-Studie und der UK Biobank. Die Ernährung wurde über validierte Fragebögen erfasst, wobei zwei Indizes berechnet wurden:

  • hPDI (healthful Plant-Based Diet Index): Vergibt positive Punkte für  gesundheitsfördernde pflanzliche Lebensmittel wie Vollkorngetreide, Gemüse, Obst, Nüsse und Hülsenfrüchte.
  • uPDI (unhealthful Plant-Based Diet Index): Vergibt positive Punkte für  weniger gesunde, raffinierte pflanzliche Lebensmittel wie Säfte, gezuckerte Getränke und Weißmehlprodukte.

Mithilfe von Multistatus-Modellen (Cox-Regression) wurde über einen Zeitraum von rund 11 Jahren analysiert, wie die verschiedenen Ernährungsmuster den Übergang von der Gesundheit zur ersten Diagnose und schließlich zur Multimorbidität beeinflussen.

Ergebnisse

Die Analyse lieferte folgende zentrale Erkenntnisse:

  • Schutz durch gesunde Kost: Eine stärkere Orientierung an der hPDI-Ernährungsweise war signifikant mit einem geringeren Risiko für Multimorbidität assoziiert. Pro 10 Punkte Anstieg des hPDI-Scores sank das Risiko in der EPIC-Studie um 11 % und in der UK Biobank um 19 %.
  • Risiko durch ungesunde Kost: Ein hoher uPDI-Score (ungesunde pflanzliche Kost) war in der UK Biobank mit einem um 22 % erhöhten Multimorbiditätsrisiko verbunden, während die Ergebnisse in der EPIC-Kohorte neutral blieben.
  • Altersunterschiede: Die schützende Wirkung des hPDI war bei Erwachsenen unter 60 Jahren stärker ausgeprägt als bei älteren Erwachsenen, blieb aber in beiden Gruppen relevant.
  • Prävention der ersten Krankheit: Ein höherer hPDI reduzierte zudem das Risiko für das erstmalige Auftreten jeder der drei untersuchten Krankheiten einzeln.

Schlussfolgerungen

Die Autoren schlussfolgern, dass eine qualitativ hochwertige pflanzliche Ernährung die Last von Multimorbidität im mittleren und höheren Alter erheblich senken kann. Der gesundheitliche Nutzen wird vor allem auf den hohen Ballaststoffgehalt der Kost zurückgeführt, der die Insulinsensitivität verbessert und Entzündungsvorgänge hemmt, sowie auf die reichlich vorhandenen Antioxidantien

Ein entscheidender Aspekt ist, dass diese Ernährungsweisen tierische Produkte nicht vollständig ausschließen müssen, um wirksam zu sein, was die praktische Umsetzung in der Bevölkerung erleichtert. Insgesamt zeigt sich, dass eine Ernährung, die überwiegend aus gesundheitsfördernden pflanzlichen Lebensmitteln besteht, gesundes Altern begünstigt und der Entstehung komplexer Krankheitskombinationen vorbeugt. 

Der vollständige Artikel ist unter diesem Link abrufbar. 

Li, Y, Papier, K, Perez-Cornago, A, Tong, TYN, Gunter, MJ, Murphy, N, Key, TJ, Bradbury, KE, Perez-Cueto, FJA, Weiderpass, E, Schmidt, JA (2025): Plant-based dietary patterns and age-specific risk of multimorbidity of cancer and cardiometabolic diseases: a prospective analysis. The Lancet Healthy Longevity 6(9), 100742