Worum geht’s?

In Deutschland ernähren sich schätzungsweise 3 % der Erwachsenen vegan. Während diese Ernährungsform viele gesundheitliche Vorteile bietet, gelten bestimmte Nährstoffe wie das fettlösliche Vitamin D und die langkettigen Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) als potenziell kritisch. Als „kritisch“ werden Nährstoffe bezeichnet, deren Zufuhr oder Biomarker-Status in Studien wiederholt unterhalb oder außerhalb des Normbereichs (Referenzwerte) liegen. Die randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte „MultiVeg-Studie“ untersuchte, wie sich eine vier-monatige Supplementierung mit einem veganen Multinährstoffpräparat und Algenöl auf den Versorgungsstatus dieser Nährstoffe sowie des ebenfalls fettlöslichen Vitamins E auswirkt.

Methodik

An der Studie nahmen 72 gesunde vegane Erwachsene im Alter von 19 bis 57 Jahren teil.

Die Teilnehmenden wurden in drei Gruppen eingeteilt:

  • Kontrollgruppe (CON): erhielt Placebopräparate.
  • Interventionsgruppe 1 (INT1): erhielt täglich 98,7 mg EPA, 171,0 mg DHA und insgesamt 62 µg Vitamin D.
  • Interventionsgruppe 2 (INT2): erhielt täglich 197,4 mg EPA, 342,0 mg DHA und insgesamt 98 µg Vitamin D.

Die Lebensmittel- und Nährstoffzufuhr wurde mithilfe von 3-Tage-Wiegeprotokollen dokumentiert. Blutproben zur Bestimmung des Versorgungsstatus mit 25-OH-Vitamin D, Vitamin E und langkettigen Omega-3-Fettsäuren wurden zu Beginn (t0) und nach vier Monaten (t2) genommen. Der Omega-3-Index wurde zu t0 anhand der Serumfettsäuren geschätzt und zu t2 direkt anhand der Fettsäurezusammensetzung der Erythrozyten (roten Blutkörperchen) bestimmt.

Ergebnisse

Bezüglich der Nährstoffzufuhr unter Beachtung angereicherter Lebensmittel und zulässiger Supplemente, jedoch ohne die Studiensupplemente, zeigten die 3-Tage-Wiegeprotokolle:

  • Die mediane Zufuhr von EPA und Vitamin D lag in allen Gruppen zu allen Zeitpunkten deutlich unterhalb der Zufuhrempfehlungen und erreichte höchstens 6,3 % der Referenzwerte.
  • Die Zufuhr von DHA konnte in diesem Rahmen nicht geschätzt werden da die gängigen Nährwerttabellen des Bundeslebensmittelschlüssels (BLS 3.02) hierfür keine validen Daten liefern. 
  • Die mediane Zufuhr von Vitamin E lag hingegen in allen Gruppen zu allen Zeitpunkten über den Referenzwerten und erreichte mindestens 140 %.Zwischen CON, INT1 und INT2 bestanden keine signifikanten Unterschiede in der erfassten Nährstoffzufuhr.

Hinsichtlich der Blutwerte ergaben sich folgende Ergebnisse:

  • Omega-3-Index: Während sich der Omega-3-Index bei den Proband/innen in INT1 um 0,8 und in INT2 um 1,6 Prozentpunkte erhöhte, sank er bei den Proband/innen  der Kontrollgruppe (CON) um 0,9 %. Die mittleren Veränderungen unterschieden sich signifikant zwischen CON und beiden INT. Trotz der Erhöhungen lag der durchschnittliche Omega-3-Index aller Gruppen (INT1: 6,0%,  INT2: 7,4% %, CON: 4,0 %) am Studienende unterhalb des Referenzwertes von mindestens 8,0 %.
  • Vitamin D: Bei den Teilnehmenden In CON reduzierte sich die 25-OH-Vitamin-D-Konzentration im Mittel um 11,3 µg/L, während sie sich bei den Teilnehmenden in INT1 um 6,1 µg/L und in INT2 um 10,6 µg/L erhöhte. Die mittleren Veränderungen unterschieden sich ebenfalls signifikant zwischen CON und beiden INT. Am Studienende lagen 62 % der Teilnehmenden in CON unterhalb des Normbereichs, während dies auf keine Person in INT1 oder INT2 zutraf.
  • Dosierungsunterschiede: Zwischen der Standarddosierung INT1 und der doppelten Dosierung INT2 bestanden keine statistisch signifikanten Unterschiede hinsichtlich der Veränderungen des Omega-3-Index oder des Vitamin-D-Status.
  • Vitamin E: Die mittleren Veränderungen des Vitamin-E-Status unterschieden sich nicht signifikant zwischen den Gruppen. Die zentralen Gruppenwerte lagen zu Beginn und am Ende der Studie innerhalb des Referenzbereichs.

Schlussfolgerungen

Die Ergebnisse zeigen, dass eine Supplementierung mit  täglichen Dosen von 62 µg bis 98 µg Vitamin D sowie kombinierten Mengen von rund 270 mg bis 540 mg EPA und DHA aus Algenöl den Nährstoffstatus bei gesunden, vegan lebenden Erwachsenen signifikant verbessern kann. Die ohne Studiensupplemente erfasste Zufuhr von EPA und Vitamin D lag in der untersuchten Stichprobe deutlich unterhalb der jeweiligen Zufuhrempfehlungen. Insbesondere während der sonnenarmen Monate kann eine gezielte Vitamin-D-Supplementierung dazu beitragen, 25-OH-Vitamin-D-Werte unterhalb des Normbereichs zu vermeiden.

Die gewählten EPA- und DHA-Dosierungen reichten innerhalb des viermonatigen Untersuchungszeitraums jedoch nicht aus, um den Omega-3-Index bei der großen Mehrheit der Teilnehmenden in den angestrebten Bereich von über 8,0 % zu erhöhen. Hierfür könnten eine längere Supplementierungsdauer und/oder höhere Dosierungen erforderlich sein.

Der vollständige Artikel ist hier abrufbar.

Tim Zerback , Christian Koeder , Stine Weder , Andreas Sputtek , Gunter P Eckert , Markus Keller , Vegan Multinutrient Supplementation Significantly Increases Omega-3 Index and 25-OH-Vitamin D Status: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial in Healthy Young Vegans, Prostaglandins, Leukotrienes and Essential Fatty Acids (PLEFA) (2026)