Im Rahmen unserer Forschungskooperation mit der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Universität Bonn haben wir in der VeChi-Diet-Studie untersucht, wie Eltern die pflanzenbasierte Ernährung ihrer Kinder im Alltag gestalten. Da Kinder aufgrund ihres Wachstums besonders hohe Anforderungen an die Nährstoffdichte stellen und die Empfehlungen nationaler Fachgesellschaften wie der DGE teils zurückhaltend formuliert sind, war es unser Ziel, die praktische Umsetzung der Nährstoffversorgung und das Informationsverhalten der Familien zu beleuchten.
In der Arbeit mit einem Mixed-Methods-Design – bestehend aus quantitativen Daten von 275 Eltern und ergänzenden qualitativen Interviews – konnte ein sehr hohes Engagement der Eltern festgestellt werden. Über 90 % der befragten Familien nutzen gezielt wissenschaftliche Quellen, um sich zu informieren, wobei viele berichten, dass die Einordnung von Internetquellen als evidenzbasiert oft eine Herausforderung darstellt. Ein zentraler Aspekt der Ergebnisse ist die Supplementierung: Es konnte gezeigt werden, dass diese bei vegan ernährten Kindern mit 97,6 % fast flächendeckend praktiziert wird, während es bei vegetarisch ernährten Kindern lediglich 56,8 % sind. Besonders die Zufuhr von Vitamin B12 ist bei veganen Kindern (bis zu 100 %) mittlerweile fest etabliert.
Interessanterweise konnte eine deutlich höhere Sensibilität für potenzielle Nährstoffmängel bei veganen Familien beobachtet werden, von denen vier von fünf Müttern regelmäßige Blutuntersuchungen durchführen lassen, während dies bei vegetarischen Familien nur auf jede vierte zutrifft. Ein kritischer Punkt, der in den Interviews identifiziert wurde, ist die ärztliche Beratung. Viele Eltern erleben hier leider statt fundierter Begleitung oft pauschale Ablehnung oder die wissenschaftlich wenig hilfreiche Empfehlung, ihren Kindern wieder Fleisch zu geben.
Es besteht ein dringender Bedarf an strukturierten, evidenzbasierten Leitfäden für Kinderärzte. Nur so kann sichergestellt werden, dass Familien konstruktiv begleitet werden. Für die zukünftige Forschung wäre es zudem interessant, das hier berichtete Supplementierungsverhalten noch stärker mit objektiven Biomarkern abzugleichen, um den tatsächlichen Nährstoffstatus der Kinder noch präziser zu erfassen.
Hier geht es zur vollständigen Studie.

