Worum geht’s?

In der MultiVeg-Studie wurde u. a. der Status von Vitamin A und Vitamin B12 sowie Vitamin B2, Vitamin K, Folsäure und Cholin bei gesunden Veganerinnen und Veganern vor und nach einer viermonatigen Einnahme eines Multivitaminpräparats untersucht. Ziel war es herauszufinden, ob die Supplementation potenziell kritischer Nährstoffe in einer veganen Ernährung den Vitamin- und Cholinstatus gezielt verbessern kann. 

Hintergrund

Bei einer veganen Ernährungsweise gelten einige Nährstoffe als potenziell kritisch, da sie überwiegend in tierischen Lebensmitteln vorkommen. Vitamin B12 stellt dabei einen der wichtigsten kritischen Nährstoffe dar und sollte daher unbedingt supplementiert werden. Je nach Lebensmittelauswahl, Sonneneinstrahlung und dem Konsum angereicherter Produkte können auch Vitamin D, Vitamin B2, Eisen, Zink, Jod und Selen kritisch sein. Darüber hinaus wird Cholin als potenziell kritischer Nährstoff in veganen Ernährungsweisen diskutiert, da besonders hohe Mengen in Eiern und Fleisch enthalten sind und die Aufnahme aus rein pflanzlichen Quellen häufig geringer ausfällt. Auch Vitamin A steht zur Debatte, da Veganerinnen und Veganer ausschließlich Provitamin-A-Carotinoide aufnehmen, deren Umwandlung zu Retinol genetisch unterschiedlich effizient sein kann. Bisher gab es keine randomisiert-kontrollierte Studien, die die Wirkung komplexer Multinährstoffpräperate bei Veganerinnen und Veganern systematisch untersucht haben. 

Methodik

An der doppelblinden, randomisiert-kontrollierten Studie nahmen 72 gesunde vegane Erwachsene im Alter von 19 bis 57 Jahren in Deutschland teil. Die Teilnehmenden wurden zufällig der Interventions- oder Kontrollgruppe zugeteilt. Die Interventionsgruppe erhielt täglich ein Multivitaminpräparat (Vitamin A, B2, B12, D3, K2, Calcium, Jod, Eisen, Selen, Zink), ein Omega-3-Präparat (EPA, DHA, Vitamin D3, Vitamin E) sowie ein cholinreiches Sojalecithinpulver (~320 mg Cholin pro Tagesportion), während die Kontrollgruppe Placebos mit identischen sensorischen Eigenschaften erhielt. Beide Gruppen wurden angewiesen, ihre gewohnte Ernährung beizubehalten. Die Wirkung der Intervention wurde anhand von Blutbiomarkern vor Beginn und nach vier Monaten untersucht. Zusätzlich wurden anthropometrische Daten, Nährstoffzufuhr und weitere Blutparameter erfasst. Die Auswertung erfolgte mittels ANCOVA unter Kontrolle von Ausgangswerten, Geschlecht und Alter.

Zur Beurteilung des Vitamin-A-Status wurden Serumretinol, Retinol-bindendes Protein, Transthyretin und Beta-Carotin gemessen. Der Vitamin-B12-Status wurde über Serum-B12, Holotranscobalamin, Methylmalonsäure und Homocystein bestimmt; zur integrierten Bewertung diente der kombinierte cB12-Index. Vitamin B2 wurde über Flavinadenindinukleotid (FAD) erfasst, Folat über Vollblutfolat, Cholin über Plasma-Cholin. Für den Vitamin-K-abhängigen Knochenstoffwechsel wurden carboxyliertes (cOC) und untercarboxyliertes Osteocalcin (ucOC) bestimmt.

Ergebnisse

Vitamin B12:

  • In der Interventionsgruppe kam es nach 4 Monaten zu signifikanten Verbesserungen aller zentralen Vitamin B12-Marker.
  • Serum-Vitamin-B12 und Holotranscobalamin (holoTC) stiegen an.
  • Der kombinierte Biomarker-Index (CB12) verbesserte sich deutlich.

Vitamin B2 (Riboflavin):

  • Flavin-Adenin-Dinukleotid (FAD) zeigte in der Interventionsgruppe einen geringeren Rückgang als in der Kontrollgruppe.
  • Der Effekt war jedoch nicht deutlich genug, um von einer klaren Verbesserung zu sprechen.

Keine signifikanten Effekte wurden beobachtet für:

  • Vitamin A, Beta-Carotin, Transthyretin, Retinol-bindendes Protein
  • Homocystein, Methylmalonsäure, Folat, Vitamin-K-Marker (cOC/ucOC)
  • Cholin

Schlussfolgerung

  • Die Supplementation mit Vitamin B12 (82 µg/Tag) verbesserte den Vitamin-B12-Status deutlich. Dies bestätigt die Empfehlung zur regelmäßigen Vitamin-B12-Supplementierung bei veganer Ernährung. 

  • Für Vitamin D, Vitamin B2, Cholin und weitere Nährstoffe zeigte sich kein signifikanter Effekt, da die Teilnehmenden möglicherweise bereits ausreichend versorgt waren.
  • Der Vitamin-A-Status war insgesamt niedrig, was dafür spricht, Vitamin A als potentiell kritischen Nährstoff in veganer Ernährung einzustufen; höhere Dosierungen (>800 µg/Tag) könnten sinnvoll sein.
  • Eine allgemeine Multivitamin-Supplementation bringt gut versorgten Veganer/innen keinen klaren Vorteil, könnte aber prophylaktisch eingesetzt werden. Die Einnahme von drei Präparaten täglich ist jedoch praktisch schwierig umsetzbar.

Fazit und Ausblick

  • Weitere Studien sollten längere Einnahmezeiten, höhere Dosierungen oder individuell angepasste Präparate prüfen.

Der vollständige Artikel ist über diesen Link abrufbar. 

Zerback T, Koeder C, Weder S, Sputtek A, Eckert GP, Keller M (2025): Assessment of vitamin A, vitamin B2, Vitamin B12, Vitamin K, folate, and choline status following 4 months of multinutrient supplementation in healthy vegans: a randomised, double-blind, placebo-controlled trail. Eur J Nutr. 65(1):9