Worum geht’s?

In der VegInSoc-Studie untersuchten die Autor/innen des Forschungsinstitut für pflanzenbasierte Ernährung (IFPE) erstmals unter kontrollierten Praxisbedingungen, wie sich eine achtwöchige vegane Ernährung während der Wettkampfsaison auf Nährstoffstatus und Leistungsfähigkeit semi-professioneller Fußballspieler auswirkt.

Hintergrund ist die wachsende Bedeutung pflanzenbasierter Ernährung im Leistungssport bei gleichzeitig bestehenden Vorbehalten. Diskutiert wird, ob eine vegane Ernährung ausreichend Energie liefert, die Versorgung mit kritischen Nährstoffen (u. a. Eisen, Vitamin B12, Vitamin D, Zink, Jod) sicherstellt und wie sie sich auf leistungsrelevante Parameter wie Ausdauer und Lipidstoffwechsel auswirkt. Interventionelle Studien im Teamsport Fußball fehlten bislang.

Methodik

Die VegInSoc-Studie wurde als kontrollierte, nicht-randomisierte, longitudinale Interventionsstudie durchgeführt.

An der Studie nahmen 16 männliche semi-professionelle Fußballspieler (≥ 18 Jahre) eines deutschen Drittligavereins teil, die entweder acht Wochen lang eine vollwertige vegane Ernährung (Interventionsgruppe, VEG) umsetzten oder ihre bisherige omnivore Ernährung unverändert fortführten (Kontrollgruppe, CON).

Die Teilnehmenden der veganen Gruppe erhielten vor Studienbeginn Schulungen zur praktischen Umsetzung sowie regelmäßige Betreuung zur Sicherstellung der Compliance. Nahrungsergänzungsmittel wurden nicht vorgegeben.

Die Datenerhebung erfolgte zu drei Zeitpunkten: zur Baseline (t0), zum Start der Intervention (t1) sowie am Ende der Intervention (t2).

Untersuchte Parameter:

  • 3-Tage-Ernährungsprotokolle
  • Anthropometrie (u.a. Körpergewicht, Fettmasse, fettfreie Masse, Gesamtkörperwasser, Ruhe- und Gesamtenergieverbrauch)
  • Umfangreiche Blutanalysen (u. a. Eisenstatus, Vitamine, Mineralstoffe, Lipidprofil)
  • Leistungsdiagnostik (Laufband/Fahrradergometer)

Ergebnisse

Energie- und Makronährstoffzufuhr

In beiden Gruppen lag die Energiezufuhr unter den berechneten Gesamtenergiebedarfen, ein im Leistungssport häufig beobachtetes Phänomen.

Die vegane Gruppe zeigte eine signifikant höhere Kohlenhydratzufuhr (≈46 En % vs. ≈38 En % in der Kontrollgruppe), eine leicht geringere Aufnahme von Fett und Protein sowie insgesamt eine ballaststoff- und pflanzenreichere Lebensmittelauswahl.

Mikronährstoffzufuhr und -status

Trotz häufig diskutierter kritischer Nährstoffe zeigten sich keine klinisch relevanten Mangelzustände:

  • Eisenstatus (Ferritin, Hämoglobin): In beiden Gruppen innerhalb der Referenzbereiche, ohne signifikante Unterschiede.
  • Vitamin B12: In der veganen Gruppe überwiegend supplementiert, Blutwerte stabil.
  • Vitamin D, Zink, Magnesium: Ebenfalls keine relevanten Unterschiede oder Defizite.
  • Vitamin A, E und β-Carotin: In der veganen Gruppe teils günstigere Marker, vermutlich durch höhere Zufuhr pflanzlicher Lebensmittel.

Lipidstoffwechsel

Ein zentrales Ergebnis war der signifikante Rückgang des Gesamt- und LDL-Cholesterins in der veganen Gruppe, während die Kontrollgruppe keine vergleichbaren Verbesserungen zeigte.

Triglyceridwerte stiegen in der omnivoren Gruppe teilweise über den Referenzbereich an, nicht jedoch in der veganen Gruppe.

Sportliche Leistungsfähigkeit

Beide Gruppen verbesserten ihre Ausdauerleistung im Studienverlauf signifikant und in vergleichbarem Ausmaß.

  • Keine Leistungseinbußen durch die vegane Ernährung
  • Keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen
  • Ausgangs-VO₂max vergleichbar

Die vegane Ernährung erwies sich somit als leistungsneutral unter den gegebenen Bedingungen.

Schlussfolgerung

Die VegInSoc-Studie zeigt, dass eine gut geplante vegane Ernährung im semi-professionellen Fußball während der Saison den Energie- und Mikronährstoffbedarf decken kann, die sportliche Leistungsfähigkeit nicht beeinträchtigt und das Lipidprofil positiv beeinflusst. Relevante Versorgungsdefizite traten dabei nicht auf, sofern eine angemessene Ernährungsplanung und Betreuung sichergestellt war.

Fazit & Ausblick

  • Eine vegane Ernährung ist für leistungsorientierte Fußballspieler grundsätzlich geeignet, wenn sie fachlich begleitet wird.
  • Besonders vorteilhaft erscheint der Effekt auf den Cholesterinstoffwechsel.
  • Die beobachtete tendenziell niedrige Energiezufuhr unterstreicht die Bedeutung einer gezielten Sporternährungsberatung – unabhängig von der Ernährungsform.
  • Aufgrund der kleinen Stichprobe sind größere randomisierte Langzeitstudien erforderlich, insbesondere mit Fokus auf Regeneration, Verletzungsanfälligkeit und saisonübergreifende Effekte.

Die VegInSoc-Studie liefert damit einen wichtigen Beitrag zur Versachlichung der Diskussion um vegane Ernährung im Leistungssport und erweitert die wissenschaftliche Evidenz für pflanzenbasierte Ernährungskonzepte im Teamsport.

Der vollständige Artikel ist unter diesem Link abrufbar. Nebl, J, Bruns, P, Meier, M, Mayer, F, Smollich, M, Keller, M (2025): The Effect of an 8-Week Vegan Diet on the Nutritional Status and Performance of Semi-Professional Soccer Players—Results of the VegInSoc Study. Nutrients 2025, 17(14), 2351