Worum geht es?
In einer prospektiven Pilotstudie haben Wissenschaftler/innen des IFPE und weiterer Forschungseinrichtungen untersucht, wie sich der Nährstoffstatus von veganen und omnivoren Schwangeren unterscheidet. Diese Auswertung ist Teil der PREGGIE-Studie und befasst sich insbesondere mit Vitamin- und Eisenparametern sowie Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren.
Bisher gibt es nur wenige Untersuchungen zu veganer Ernährung in der Schwangerschaft. Die PREGGIE-Studie ist die erste Untersuchung aus Deutschland zu diesem Thema.
Methodik
In die Studie wurden 32 schwangere Veganerinnen und 13 schwangere Mischköstlerinnen eingeschlossen. Die Untersuchungen erfolgten zu zwei Zeitpunkten: zwischen der 9. und 16. Schwangerschaftswoche (t1), sowie zwischen der 35. und 38. Schwangerschaftswoche (t2).
Analysiert wurden unter anderem Blutparameter zu Vitamin B12 (Holo-Transcobalamin, Methylmalonsäure [MMA]), Folat, Vitamin B2 und Vitamin D sowie zu Eisen (Hämoglobin, Ferritin). Zusätzlich wurden Serumparameter zu verschiedenen mehrfach ungesättigten Fettsäuren untersucht, darunter Alpha-Linolensäure (ALA), Eicosapentaensäure (EPA), Docosahexaensäure (DHA), Linolsäure (LA) und Arachidonsäure (ARA).
Die Studie war als explorative Pilotstudie angelegt..
Ergebnisse
Vitamine und Eisenstatus: Bei den untersuchten Vitamin- und Eisenparametern zeigten sich insgesamt kaum Unterschiede zwischen den beiden Ernährungsgruppen. Lediglich bei MMA wurde zum zweiten Untersuchungszeitraum t2 ein statistisch signifikanter Unterschied festgestellt; die MMA-Werte waren in der omnivoren Gruppe stärker angestiegen als in der veganen Gruppe. Dies kann auf eine gute Vitamin-B12-Versorgung der vegan lebenden Teilnehmerinnen hindeuten.
Fettsäuren: Nach Adjustierung für potenzielle Störfaktoren wiesen die Veganerinnen zu Beginn der Untersuchung (t1) signifikant niedrigere Werte für EPA (- 52 %), DHA (- 43 %), Dihomogamma-Linolensäure (DGLA) (− 31 %) und ARA (− 23 %) auf als die omnivore Gruppe. Zu t2 lagen bei den Veganerinnen die ALA-Werte um 62 % und die LA-Werte um 23 % höher als bei den Mischköstlerinnen; die DGLA-Werte lagen um 22 % niedriger. Bei den anderen Fettsäuren konnte zu t2 kein statistisch signifikanter Unterschied gefunden werden
Die Ergebnisse könnten möglicherweise auf eine höhere ALA-Zufuhr und eine geringere EPA-/DHA-Supplementierung zu Beginn der Schwangerschaft bei den Veganerinnen hinweisen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass 75 % der Veganerinnenangaben, EPA und DHA supplementieren.
Keine der Teilnehmerinnen gab an, ARA zu supplementieren. Bei den Veganerinnen kann zudem von einer vernachlässigbaren ARA-Zufuhr über die Nahrung ausgegangen werden. Trotz der niedrigeren ARA-Werte der Veganerinnen zu t1 (- 23 %) war der Unterschied zu t2 nicht mehr statistisch signifikant. Die Autor/innen der Studie sehen daher derzeit keinen Anlass für eine ARA-Supplementierung bei vegan lebenden Schwangeren.
Schlussfolgerungen
Die PREGGIE-Studie liefert Hinweise darauf, dass eine gut supplementierte vegane Ernährung in der Schwangerschaft bei den untersuchten Vitamin- und Eisenparametern eine vergleichbare Nährstoffversorgung wie eine omnivore Ernährung ermöglichen kann.
Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse Unterschiede im Fettsäurestatus, insbesondere bei EPA und DHA. Die Bedeutung dieser Unterschiede für eine vegane Schwangerschaft und Geburt können nach Ansicht der Autor/innen derzeit noch nicht eindeutig beurteilt werden.
Die Ergebnisse der Studie unterstreichen damit vor allem die Bedeutung einer gezielten Nährstoffversorgung und Supplementierung während einer veganen Schwangerschaft. Neben Vitamin B12 nennen die Forscher/innen insbesondere die Omega-3-Fettsäuren als Nährstoffe, zu denen weitere Untersuchungen notwendig sind sollte. Auch bei Jod, Zink und Selen besteht erheblicher Forschungsbedarf im Zusammenhang einer veganen Schwangerschaft.
Aufgrund der kleinen Stichprobe, der unterschiedlichen Gruppengröße und der fehlenden Untersuchung weiterer relevanter Nährstoffe sind die Ergebnisse der PREGGIE-Studie nicht ohne Weiteres auf vegan lebende Schwangere insgesamt übertragbar. Die Autorinnen und Autoren betonen daher den Bedarf an größeren prospektiven Studien und randomisierten kontrollierten Studien mit Schwangeren unterschiedlicher Ernährungsweisen.
Der vollständige Artikel ist hier abrufbar.
Koeder C. et al. (2026): Nutrient status in pregnant vegans and omnivores: An exploratory prospective pilot study (PREGGIE). Food and Humanity 7, 101412
