In diesem Beitrag wird Ihnen die Querschnittstudie über die Nährstoffzufuhr und den Biomarker-Status bei strikten Rohköstler*innen von Abraham et al. (2022) mit den wichtigsten Erkenntnissen vorgestellt.

Lebensmittel werden thermisch behandelt, um ihre ernährungsphysiologischen Eigenschaften zu verändern oder zu erhalten. Die thermische Behandlung geht dabei mit mehreren positiv gewollten Eigenschaften einher, wie die Inaktivierung von durch Lebensmittel übertragenen Krankheitserregern, die Zerstörung natürlicher Toxine und eine Verlängerung der Haltbarkeit der Lebensmittel. Ebenso können Verdaulichkeit,  Bioverfügbarkeit der Nährstoffe, Geschmack, Textur und Aroma verbessert werden. Neben den gewollten Eigenschaftsveränderungen treten bei der thermischen Behandlung Verluste bestimmter Nährstoffe auf oder es kommt zur Bildung von Verbindungen mit negativen Auswirkungen auf die Geschmackswahrnehmung, Textur oder Farbe. Ebenfalls kann es zur Bildung von toxischen Verbindungen kommen, wie beispielsweise Acrylamid, 3-MCPD, Glycidol oder Acrolein.  

Eine strenge Rohkosternährung basiert auf frischem, rohem Obst und Gemüse mit dem gleichzeitigen Verzicht auf erhitzte und verarbeitete Lebensmittel. Hier werden die negativen Aspekte durch die thermische Behandlung der Lebensmittel umgangen. Jedoch birgt sie das Risiko einer Unterversorgung bezüglich Kalorien und bestimmter Makro- und Mikronährstoffe.

Untersucht wurden die Körperzusammensetzung, die Nahrungszufuhr anhand von 3-Tage-Wiegeprotokollen und die relevanten Nüchternblut- und Serumparameter. Die Untersuchungsgruppen gliederten sich in 16 nicht rauchende, strikte Rohköstler*innen (5 Frauen und 11 Männer, Alter 44,6 ± 12,3 Jahre, Dauer der Ernährungsweise 11,6 ± 10,8 Jahre) und nicht rauchende Teilnehmer*innen (32 Veganer*innen, 27 Omnivor*innen) der Studie „Risk and Benefits of a Vegan Diet“ (RBVD). 

Die Auswertung der Studie ergab, dass die Rohköstler*innen niedrigere Mittelwerte für BMI und Körperfettanteil als die entsprechenden RBVD-Teilnehmer*innen besaßen. Gleiches galt für die Zufuhr von Energie, Eiweiß, Kohlenhydraten, Kalzium und Jod. Hinsichtlich des Versorgungsstatus wurden im Serum niedrigere Werte für HDL-Cholesterin, Triglyceride, Zink und Vitamin D3 nachgewiesen. Die Rohköstler*innen mit (n = 9) und ohne (n = 7) Vitamin B12-Supplementierung hatten einen mittleren Vitamin B12-Spiegel von 399 bzw. 152 ng/L. Die Hälfte der Rohköstler*innen besaß leicht erhöhte Homocysteinwerte mit > 12 µmol/L.

Hinsichtlich Vitamin B12 ist bei einer roh-veganen Ernährung (mit oder ohne Supplementierung) sowie bei einer roh-vegetarischen oder mischköstlich rohen Ernährung, mit unzureichendem Verzehr von Lebensmitteln tierischen Ursprungs, eine unzureichende Versorgung zu erwarten. Auch in der Studie von Abraham et a. (2022) konnte dies anhand der anhand der erhöhten Homocysteinwerte über 12 µmol/L bei 50 % der Rohkost-Teilnehmer*innen beobachtet werden. Ein Vitamin B12-Mangel kann durch eine Supplementierung vermieden werden, wie die RBVD-Veganer*innen mit ihrer Supplementierungsrate von 94 % und einer Rate erhöhter Homocysteinwerte von 6 % bewiesen.

Der bestehende niedrige BMI der Rohköstler*innen weist daraufhin, dass eine ausreichende Energiezufuhr eine Herausforderung bei rohköstlicher Ernährung darstellt. Um diese Soll-Zufuhr zu erreichen, müsste eine Steigerung in der Quantität der Lebensmittelaufnahme erfolgen. 

Langfristige Folgen des eingeschränkten Nahrungsangebotes müssten ausführlicher untersucht werden. Aktuell werden hierbei ein höherer Anteil an Untergewicht und Amenorrhoe bei Frauen sowie eine geringere Knochenmasse beobachtet. Um aussagekräftigere Ergebnisse zu erhalten, werden weitere Studien mit höherer Teilnehmendenzahl benötigt. 

Abraham K, Trefflich I, Gauch F, Weikert C (2022): Nutritional Intake and Biomarker Status in Strict Raw Food Eaters. Nutrients, 14(9): 1725. doi: 10.3390/nu14091725